Sind Bitcoin und der Kryptomarkt bereit für das Quantenzeitalter?

Sind Bitcoin und der Kryptomarkt bereit für das Quantenzeitalter?

Apr 13, 2026
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Quantencomputing stellt die Digital-Asset-Industrie vor neue Herausforderungen. Für Investoren ist es entscheidend zu verstehen, wie real diese Risiken sind, wie dringend sie werden und welche Blockchain-Netzwerke darauf vorbereitet sind. Unser 21shares-Team arbeitet derzeit gemeinsam mit Branchenexperten, darunter Alex Pruden (Project Eleven), Nic Carter (Castle Island Ventures) und Yehuda Lindell (Coinbase), an einem umfassenden Report, der einen detaillierten Überblick über die Massnahmen zur Eindämmung dieses Risikos gibt.

Vorab beantwortet Co-Autor Karim AbdelMawla vier grundlegende Einstiegsfragen zu diesem Thema.

Q1: Wie funktioniert eigentlich die Verschlüsselung, auf die wir heute für digitale Sicherheit angewiesen sind?

Karim: Jedes Mal, wenn du deinen Kontostand prüfst, dein Smartphone entsperrst oder eine Nachricht sendest, sorgt im Hintergrund komplexe Mathematik dafür, dass deine Daten geschützt bleiben. 

Man kann sich das wie einen speziellen Briefkasten vorstellen: Jeder kann einen Brief vorne einwerfen, aber nur du besitzt den Schlüssel, um ihn hinten zu öffnen. Du kannst deine Adresse öffentlich machen. Sie hilft niemandem dabei, den Briefkasten zu öffnen.

Moderne digitale Sicherheit und auch der Schutz deiner Krypto-Wallet basieren auf genau dieser „Einweg-Logik“. Während deine öffentliche Adresse für alle sichtbar ist, ist es für einen herkömmlichen Computer praktisch unmöglich, daraus deinen privaten Schlüssel zu berechnen. Dafür wären Zeiträume erforderlich, die weit über menschliche Lebensspannen hinausgehen und genau dieser enorme Zeitunterschied schützt deine Vermögenswerte.

Q2: Was genau ist Quantencomputing – und warum wird es gerade jetzt relevant?

Karim: Ein klassischer Computer löst Probleme Schritt für Schritt und prüft Möglichkeiten nacheinander. Ein Quantencomputer funktioniert grundlegend anders: Er nutzt die Gesetze der Quantenphysik, um viele Möglichkeiten gleichzeitig zu analysieren.

Stell dir eine Bibliothekssuche vor: Ein normaler Computer durchsucht jedes Buch einzeln, während ein Quantencomputer den gesamten Raum auf einmal erfasst. Für die meisten Anwendungen bringt das keinen Vorteil. Dein Laptop bleibt für alltägliche Aufgaben effizienter. Doch für die mathematischen Verfahren, die Krypto-Wallets absichern, ist diese Fähigkeit ein echter Wendepunkt.

Das Risiko wird gerade deshalb relevant, weil sich die Technologie schneller entwickelt, als viele erwarten. In den letzten zwei Jahren gab es bedeutende Fortschritte:

  • Google konnte zeigen, dass sich ein Quantencomputer skalieren lässt, ohne an Fehlern zu scheitern. Ein Meilenstein nach fast zwei Jahrzehnten Forschung.
  • IBM hat angekündigt, bis 2029 einen ersten zuverlässigen, grossskaligen Quantencomputer zu bauen.
  • Microsoft hat einen Ansatz entwickelt, um zuvor als unmöglich geltende Komponenten zu realisieren.
  • Am 30. März 2026 veröffentlichten Google Quantum AI, die Ethereum Foundation und Stanford eine Studie, wonach die benötigte Rechenleistung, um Krypto-Verschlüsselung zu brechen, etwa 20-mal geringer ist als bisher angenommen.

Auch wenn die konkrete Bedrohung noch Jahre entfernt ist, rückt der Zeitpunkt deutlich schneller näher als erwartet.

Q3: Sind Bitcoin und das restliche Blockchain-Ökosystem heute gefährdet?

Karim: Aktuell nicht und vermutlich auch noch nicht in den nächsten Jahren. Die notwendige Hardware, um die Verschlüsselung grosser Netzwerke zu brechen, existiert heute schlichtweg noch nicht. Seriöse Schätzungen sehen ein mögliches Risikofenster zwischen 2029 und 2035.

Wichtig ist jedoch zu verstehen, was genau gefährdet ist. Die Blockchain selbst bleibt sicher. Man kann sich das Bitcoin-Ledger als ein unveränderliches Kassenbuch vorstellen, das von allen Teilnehmern geführt wird. Quantencomputing stellt keine Bedrohung für diese Historie dar - vergangene Transaktionen können nicht nachträglich verändert werden.

Die Schwachstelle liegt eine Ebene darüber: bei der digitalen Signatur, die den Besitz eines Kontos bestätigt. Heute ist es unmöglich, diese zu fälschen. Ein ausreichend leistungsfähiger Quantencomputer könnte jedoch öffentlich zugängliche Daten aus der Blockchain nutzen, um rückwärts den privaten Schlüssel zu rekonstruieren. Die Blockchain bliebe korrekt aber die Sicherheit, dass nur du Zugriff auf dein Konto hast, wäre nicht mehr gewährleistet.

Oft wird die falsche Frage gestellt, etwa ob Quantencomputer das Bitcoin-Mining übernehmen könnten. Die Antwort lautet: nein. Bitcoin passt die Schwierigkeit automatisch an die verfügbare Rechenleistung an. Schnellere Rechner führen nicht zu höheren Erträgen, sondern erhöhen lediglich die Gesamtanforderung des Netzwerks.

Eine Studie aus März 2026 verdeutlicht zudem die praktische Unmöglichkeit von Quanten-Mining: Selbst unter idealen Bedingungen wären 100 Millionen Quantenbausteine und zehn Gigawatt Energie nötig. Für einen realistischen Angriff läge der Energiebedarf auf dem Niveau der Gesamtleistung eines Sterns. Zudem würde ein Quanten-Miner auf Protokollebene an dieselben Grenzen stossen wie ein klassischer Miner - unabhängig von der Hardware.

Q4: Worauf sollten Investoren jetzt achten?

Karim: Viele Investoren missverstehen, wo das eigentliche Risiko liegt. Klassische Finanzsysteme scheinen zunächst das grössere Ziel zu sein, da Banken deutlich grössere Vermögenswerte verwalten und oft auf ältere kryptografische Systeme setzen. Allerdings können Banken Sicherheitsstandards zentral vorgeben und schnell anpassen.

Bitcoin hingegen hat keine zentrale Instanz. Jede Wallet, jede Börse und jeder einzelne Nutzer muss eigenständig auf quantensichere Adressen migrieren und niemand kann sie dazu zwingen. In diesem Fall wird Dezentralisierung, normalerweise ein Vorteil, zu einer Herausforderung.

Ebenso wichtig ist es, die unterschiedlichen Strategien der Netzwerke zu verfolgen:

  • Bitcoin hat in diesem Jahr erste Schritte mit einem Vorschlag für quantensichere Adressen gemacht. Die Umsetzung wird jedoch Jahre dauern und erfordert intensive Abstimmungen innerhalb der Community.
  • Ethereum ist strukturell weiter, mit einer klaren Roadmap und mehreren Teams, die an der Migration arbeiten. Gleichzeitig bestehen architekturbedingte Schwachstellen, und die Koordination eines gesamten Ökosystems bleibt komplex.
  • Solana ist praktisch am weitesten: Im Dezember 2025 wurde erstmals eine vollständige Implementierung quantensicherer Signaturen im Testnetz umgesetzt - in Zusammenarbeit mit Project Eleven. Der Nachteil liegt in der Performance: Signaturen waren 20- bis 40-mal grösser, und die Transaktionsgeschwindigkeit sank um etwa 90 %, was das Hochleistungsmodell von Solana herausfordert.

Jedes Netzwerk verfolgt einen eigenen Weg zur Quantensicherheit. Unser kommender Report beleuchtet diese Unterschiede im Detail. Ziel ist es nicht nur, den Zeitpunkt eines möglichen Risikos einzuschätzen, sondern auch zu verstehen, welche Netzwerke führend sind, welche zurückliegen und was das für den langfristigen Wert bedeutet.

Melde dich für unseren Newsletter an und erfahre sofort, sobald der vollständige Report verfügbar ist.

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Footnotes: 

  1. Google Quantum AI and Collaborators, "Quantum error correction below the surface code threshold," Nature 638, 920–926, December 2024. https://www.nature.com/articles/s41586-024-08449-y
  2. IBM Quantum, "IBM lays out clear path to fault-tolerant quantum computing," IBM Quantum Computing Blog, June 2025. https://www.ibm.com/quantum/blog/large-scale-ftqc
  3. Microsoft Azure Quantum, "Microsoft unveils Majorana 1, the world's first quantum processor powered by topological qubits," Microsoft Azure Quantum Blog, February 2025. https://azure.microsoft.com/en-us/blog/quantum/2025/02/19/microsoft-unveils-majorana-1-the-worlds-first-quantum-processor-powered-by-topological-qubits/
  4. Google Quantum AI, "Safeguarding cryptocurrency by disclosing quantum vulnerabilities responsibly," Google Research Blog, March 2026. https://research.google/blog/safeguarding-cryptocurrency-by-disclosing-quantum-vulnerabilities-responsibly/
  5. Dallaire-Demers, P.-L. and BTQ Technologies Team, "Kardashev scale Quantum Computing for Bitcoin Mining," arXiv:2603.25519 [quant-ph], March 2026. https://arxiv.org/abs/2603.25519

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