Was passiert ist
Am 20. Oktober 2025 erlitt AWS in seinem Rechenzentrum in Virginia einen massiven Ausfall, der große Teile des Internets für über 15 Stunden lahmlegte. Websites, Apps und sogar einige Krypto-Plattformen waren nicht erreichbar. Nicht, weil die Blockchains selbst ausgefallen wären, sondern weil ihre Frontends, APIs und Datenbanken auf AWS gehostet wurden.
Die Ursache liegt in der Zentralisierung. Wenn die Server eines Unternehmens ausfallen, wirkt sich das über die gesamte Weblandschaft aus. Ein widerstandsfähigeres Internet erfordert verteilte Speicher- und Auslieferungssysteme wie IPFS, Filecoin und Arweave, die Daten über tausende unabhängige Rechner statt nur wenige Unternehmens-Rechenzentren verteilen.
Wie dezentrale Speicherung funktioniert
IPFS (InterPlanetary File System) ruft Daten nach ihrem Inhalt, nicht nach ihrem Standort. Jede Datei hat eine eindeutige Content-ID, die von den Daten selbst abgeleitet wird, und kann von jedem Knoten abgerufen werden, der sie speichert. Fällt eine AWS-Region aus, kann IPFS dieselbe Datei weltweit von anderen Knoten liefern, so dass ein einzelner Ausfallpunkt vermieden wird.
Filecoin baut auf IPFS auf und bietet einen globalen Marktplatz für Speicherplatz. Anbieter erhalten Token dafür, dass sie Daten hosten, und müssen kryptografisch nachweisen, dass sie sie weiterhin speichern. Nutzer können für schnelleren Zugriff auf nahegelegene Knoten bezahlen. Fällt ein Anbieter aus, liefern andere weiterhin die gleichen Dateien.
Arweave konzentiert sich auf permanente Datenspeicherung und eignet sich für App-Frontends, öffentliche Aufzeichnungen oder Dokumentationen, die niemals verschwinden dürfen. Dateien, die auf Arweave hochgeladen werden, bleiben über ein globales Peer-to-Peer-Netzwerk dauerhaft zugänglich.
Zusammen verwandeln diese Systeme Ausfälle in reine Unannehmlichkeiten statt in Katastrophen.
Eine verborgene Schwachstelle der Krypto-Infrastruktur
Der Ausfall zeigte eine harte Wahrheit: Selbst „dezentrale“ Systeme hängen oft von zentraler Infrastruktur ab. Wallets, DApps und Exchanges nutzen RPC-Knoten (Gateways zu Blockchain-Daten), viele davon konzentriert auf AWS und Google Cloud.

Quelle: https://www.awsblockchaintracker.com/
Als AWS ausfiel, kam es bei Netzwerken wie Ethereum, Base und Arbitrum zu Unterbrechungen, weil RPC-Anbieter nicht erreichbar waren. Blocks wurden weiterhin produziert, doch Nutzer konnten nicht interagieren. Wenn der Ausfall eines Unternehmens den Zugang zu den meisten Krypto-Netzwerken unterbricht, ist das System nicht wirklich dezentralisiert.

Dezentrale Speicherlösungen wie IPFS und Filecoin können dieses Risiko mindern, indem sie Knoten und Zugriffsstellen über viele unabhängige Anbieter verteilen.
Was hätte online bleiben können
Hätten mehr Apps dezentrale Speicher genutzt, wäre ein großer Teil des Internets funktionsfähig geblieben. Websites, Metadaten und Dokumentationen auf IPFS oder Arweave wären weiterhin verfügbar gewesen. Selbst wenn Nutzer keine Transaktionen durchführen konnten, hätten sie Apps öffnen, zwischengespeicherte Daten einsehen und informiert bleiben können anstatt komplett ausgesperrt zu sein.
Diese Netzwerke können auch als Live-Backups dienen: Apps können regelmäßig nur-lesbare Snapshots oder zwischengespeicherte Daten auf Filecoin oder Arweave speichern, um beispielsweise Kontostände, Nutzerprofile oder kürzliche Transaktionen anzuzeigen, selbst wenn Datenbanken ausfallen. Das ersetzt keine klassische Cloud-Infrastruktur, macht totale Ausfälle aber handhabbar.
Warum die Nutzung hinterherhinkt
Trotz klarer Vorteile ist dezentrales Speichern noch nicht Mainstream. Cloud-Plattformen wie AWS sind schneller, kostengünstiger im großen Maßstab und leichter zu verwalten. Dezentrale Netzwerke können bei dynamischen Daten langsamer sein, und Entwickler stehen vor zusätzlicher Komplexität bei Content-IDs, Speicherverträgen und Kosten.
Ein weiteres Hindernis ist fehlendes Bewusstsein: Viele Krypto-Teams konzentrieren sich auf Smart Contracts und Token, nicht auf den Speicherort ihrer Daten. Auch sich entwickelnde Preismodelle und Token-Ökonomien erschweren langfristige Planungen.
Dezentrale Lösungen für ein zentrales Problem
Hybrid-Tools kombinieren inzwischen die Zuverlässigkeit der Cloud mit der Resilienz dezentraler Netzwerke. Apps können gleichzeitig in Cloud und dezentralen Netzwerken veröffentlicht werden, mit automatischem Fallback, falls die Cloud ausfällt.
- Filebase bietet S3-kompatible Uploads, die automatisch auf IPFS gespeichert werden.
- Cloudflare und die IPFS Foundation betreiben Hochleistungs-Gateways, die Browser mit dezentralen Inhalten verbinden.
- Auf Arweave ermöglichen Tools wie Irys (ehemals Bundlr) schnellere und günstigere permanente Uploads.
Moderne Software-Adapter erlauben Entwicklern zudem die Integration von IPFS oder Arweave mit wenigen Codezeilen.
Ausblick
Der Ausfall im Oktober 2025 war eine deutliche Erinnerung daran, dass das Internet zu zentralisiert ist. Filecoin, Arweave und IPFS bieten einen praktischen Weg zu einem widerstandsfähigeren Web. IPFS sorgt dafür, dass Daten aus vielen Quellen verfügbar sind. Filecoin garantiert dauerhaften und überprüfbaren Speicher. Arweave hält kritische Daten dauerhaft online.
Wenn Hybrid-Tools weiter reifen und die Nutzung steigt, sollte der nächste große Ausfall das Web hoffentlich nicht mehr lahmlegen. Apps bleiben online, Nutzer verbunden - und das dezentrale Web kann endlich seinem Namen gerecht werden.












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