Ethereum 2026 Ausblick: gestakt, leicht inflationär, durch Skalierung gehebelt

Ethereum 2026 Ausblick: gestakt, leicht inflationär, durch Skalierung gehebelt

Jan 19, 2026
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Preisprognosen sind wohl die Lieblingsdisziplin der Finanzwelt und im Kryptobereich wird diese Faszination noch verstärkt, da die Anlageklasse mit zunehmender Reife mehr Aufmerksamkeit erhält und die Volatilität abnimmt. Auch wenn niemand die Zukunft mit Sicherheit vorhersagen kann, beruhen fundierte Prognosen auf einer Kombination aus quantitativer Analyse und qualitativer Einschätzung.

In den ersten Wochen des Jahres starten wir unsere Preis-Predictions-Serie, in der wir einen zukunftsgerichteten Blick auf die fünf größten Krypto-Assets werfen. Diese Woche beginnen wir mit Bitcoin und Ethereum. Für ETH müssen wir dabei folgende Faktoren beobachten: 

  1. Geldpolitik (Emission, Burn, Staking).
  2. Einnahmen, die durch Skalierungslösungen von Ethereum abgezogen werden.
  3. Kapitalflüsse über börsengehandelte Fonds (ETFs) und institutionelle Investoren.
  4. Ethereums Rolle als dominierende Abwicklungs- und Liquiditätsschicht für Stablecoins und tokenisierte Schuldtitel.

Die Kursentwicklung wird inzwischen weniger durch das „Ultrasound-Money“-Narrativ geprägt, das ETH von 2021 bis 2023 bestimmte, sondern vielmehr durch ETF-Flows und die Frage, ob reale wirtschaftliche Aktivität auf Ethereum in nachhaltige, profitable Endnutzer-Anwendungen übersetzt werden kann. Dieser Wandel hat sich im vergangenen Quartal beschleunigt, da sich Ethereums Position als bevorzugte Plattform für Stablecoins und tokenisierte Vermögenswerte weiter gefestigt hat.

Was treibt unseren Ausblick für 2026?

A. Monetäres- und Staking-Profil

Ein knappes Umlaufangebot bleibt bestehen, da rund 28,5 % von ETH gestakt sind. Dennoch ist die Nettoemission in Phasen niedriger Gebühren leicht positiv geblieben. Mit dem nun live gegangenen Fusaka-Software-Upgrade und strukturell niedrigeren Gebühren profitiert ETH nicht mehr automatisch von Deflation – außer bei anhaltenden Aktivitätsspitzen, die mit höheren Einnahmen einhergehen.

Infolgedessen basieren die Staking-Erträge primär auf Konsensbelohnungen und Swap-Gebühren (MEV) statt auf Token-Burns. Dies begrenzt die anleiheähnliche Attraktivität von ETH, sofern die Gebührengenerierung nicht deutlich anzieht. ETH verhält sich zunehmend wie ein gehebelter Anspruch auf die Aktivität des Ökosystems und weniger wie ein reines monetäres Asset.

B. Skalierungslösungen und Gebührenökonomie

Ethereums Skalierungslösungen, auch bekannt als Layer-2s (L2s), verarbeiten inzwischen Transaktionsvolumen in zweistelliger Milliardenhöhe. Ihre zunehmende Effizienz führt jedoch dazu, dass pro umgesetztem Dollar weniger ETH verbrannt wird. Neue Upgrades wie Fusaka und PeerDAS senken die Transaktionskosten weiter. Das kommt den Nutzern zugute, ist für ETH-Halter jedoch ambivalent: Niedrigere Gebühren reduzieren den ETH-Burn, sofern das Gesamtaktivitätsniveau nicht stark genug wächst, um dies zu kompensieren.

Aktuelle Momentaufnahmen unterstreichen diese Spannung, da die Gebühren auf Applikationsebene im Ökosystem die Einnahmen der Basisschicht deutlich übersteigen. Dies verdeutlicht, dass reiner Durchsatz nicht ausreicht, um die ETH-Bewertung zu treiben.

C. ETFs und institutionelle Kapitalflüsse

Spot-ETH-ETFs sind weiterhin groß genug, um relevant zu sein, mit einem verwalteten Vermögen von rund 18 Mrd. US-Dollar. Die jüngsten Kapitalflüsse zeigen jedoch, dass die Richtung wichtiger ist als die Größe. Der Nettoabfluss von rund 1,4 Mrd. US-Dollar im November hat verdeutlicht, wie schnell ETH neu bewertet werden kann, wenn sich das makroökonomische Umfeld dreht und die Gebühren- und Burn-Dynamik an Attraktivität verliert - selbst bei geringem Onchain-Angebot.

D. Stablecoins, Real-World Assets und Ethereums Liquiditätsgraben

Mit Abstand die beeindruckendste Entwicklung ist Ethereums zunehmende Rolle als globales Liquiditätszentrum für Stablecoins und tokenisierte Real-World Assets (RWAs). Ethereum beherbergt inzwischen mehr als 160 Mrd. US-Dollar an Stablecoins. Deutlich mehr als jede andere Blockchain und ist damit die dominierende Abwicklungsschicht für dollarbasierte Onchain-Aktivitäten.

Dieser Vorteil wurde durch die jüngsten Emissionen tokenisierter Geldmarktfonds und T-Bill-Produkte großer Finanzinstitute weiter gestärkt, von denen viele Ethereum als primäre Emissions- und Abwicklungsplattform gewählt haben.

  • JPMorgan und Fidelity haben tokenisierte Geldmarktfonds direkt auf Ethereum (Layer 1) aufgelegt.
  • BlackRock hat mit BUIDL die großskalige institutionelle Tokenisierung auf Ethereum vorangetrieben.
  • Apollo hat seinen tokenisierten Private-Credit-Fonds ACRED auf Ethereum und dessen L2s gestartet.
  • Amundi hat einen auf Euro lautenden tokenisierten Geldmarktfonds auf Ethereum emittiert.
  • BNY Mellon hat einen AAA-gerateten CLO-Fonds über Ethereum onchain gebracht.
  • Baillie Gifford plant die Einführung eines tokenisierten Anleihefonds über Ethereum und dessen L2-Ökosystem.

Mit dem Wachstum tokenisierter Vermögenswerte von derzeit rund 25 Mrd. US-Dollar in Richtung über 100 Mrd. US-Dollar wird ETH zunehmend dauerhaften, organischen Finanzflüssen ausgesetzt und nicht nur spekulativer Handelsaktivität. Da diese Vermögenswerte zudem direkt mit DeFi- und Sicherheitenmärkten integriert werden, eröffnen sie einen glaubwürdigen Pfad zu höherer Gebührengenerierung und strukturell stabilerem Kapital zur Unterstützung der ETH-Bewertung.

Unser projizierter Szenariorahmen für 2026 

Preisprognosen sind keine Punktvorhersagen, sondern szenariobasierte Einschätzungen, die sowohl auf quantitativen Daten als auch auf qualitativen Annahmen beruhen. Durch die Modellierung unterschiedlicher Adoptions-, makroökonomischer und marktstruktureller Entwicklungen schätzen wir potenzielle Bewertungsbandbreiten auf Jahreshöchstständen unter jedem Szenario.

  • Basisszenario: 3.400 - 3.700 US-Dollar (13-23 % erwartete YTD-Performance): Bei moderaten ETF-Zuflüssen, neutralem makroökonomischem Umfeld und einem Wachstum der Skalierungslösungen, das sich nicht in höheren Gebühren niederschlägt, dürfte Ethereum nur begrenzte Umsatzeffekte und ein moderates Aufwärtspotenzial verzeichnen. In diesem Szenario würde ETH langsam steigen, jedoch durch schwache Protokolleinnahmen gedeckelt bleiben.
  • Bullenszenario: 3.900 - 4.200 US-Dollar (30-40 % erwartete YTD-Performance): Dieses Szenario wird durch eine beschleunigte wirtschaftliche Aktivität auf L2-Ebene, eine Erholung des ETH-Burns (oder die Einführung struktureller Mechanismen zur besseren Angleichung der L2-Wertschöpfung an die Mainnet-Ökonomie, etwa durch eine fixe Interlayer-Abgabe) sowie eine Wiederaufnahme der ETF-Zuflüsse getragen. ETH positioniert sich zunehmend sowohl als renditetragendes Kapital als auch als zentrale Infrastruktur für die Onchain-Abbildung realer Vermögenswerte.

    Gleichzeitig zeigen sich Anzeichen einer Wiederbelebung der Mainnet-Anwendungsentwicklung. Ethereum verzeichnete in den vergangenen drei Jahren die höchste Anzahl neu deployter Anwendungen, was frühe Hinweise auf erneuten Ökosystem-Schwung liefert.

    Parallel dazu würde ein Lockerungszyklus der US-Notenbank die relative Attraktivität von ETH verbessern. Bei Staking-Renditen von rund 3 % gegenüber etwa 4,2 % für zehnjährige US-Staatsanleihen würde ein Rückgang auf rund 3,5 % im Rahmen eines Zinssenkungsszenarios von 75 Basispunkten den Spread ins Positive drehen. Dies könnte eine Staking-Arbitrage schaffen und institutionelle Umschichtungen in ETH auslösen.

  • Bärenszenario: 1.700 - 2.200 US-Dollar (-43 % bis -26 % erwartete YTD-Performance): Ethereum könnte in dieses Bärenszenario geraten, wenn ein anhaltendes Risk-off-Umfeld, fortgesetzter Ertragsdruck, eine weitere Welle von ETF-Abflüssen und ein leicht inflationäres Angebotsprofil schwache Kapitalflüsse überlagern trotz Wachstum im Ökosystem.

Was sind die zentralen Risiken?

  • Einnahmenverluste durch Skalierungslösungen: Anhaltende Gebührensenkungen und die Verlagerung der Ausführung auf Skalierungslösungen könnten den ETH-Burn und die Protokolleinnahmen begrenzen. Dies würde ein Szenario verstärken, in dem das Wachstum des Ökosystems ohne verbesserte L2-Gebührenweiterleitung oder Angleichungsmechanismen nicht in nennenswerte Wertschöpfung für ETH-Halter übersetzt wird.

  • Reflexivität der ETF-Flüsse: Wie bei Bitcoin führen auch ETH-Spot-ETFs zu flussgetriebener Volatilität. Anhaltende Risk-off-Phasen oder makroökonomische Schocks könnten mechanische Abflüsse auslösen und Kursrückgänge verstärken - unabhängig von Onchain-Fundamentaldaten oder der Staking-Beteiligung.

  • Leicht inflationäres Regime: Mit strukturell niedrigeren Gebühren nach Fusaka könnte ETH über längere Zeiträume netto inflationär bleiben. Skaliert die Gebührengenerierung nicht im Einklang mit der Aktivität, könnte die Emission zu einem dauerhaften Belastungsfaktor für die Bewertung werden.

  • Renditekonkurrenz durch traditionelle Finanzmärkte: Bleiben die realen US-Zinsen erhöht, könnten ETH-Staking-Renditen im risikoadjustierten Vergleich an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Dies würde institutionelle Umschichtungen in ETH begrenzen, selbst wenn Onchain-Aktivität und RWAs weiter wachsen.

  • Konzentrationsrisiken bei RWAs und Stablecoins: Obwohl Ethereum die Emission von Stablecoins und tokenisiertem Bargeld dominiert, entsteht dadurch eine erhöhte Abhängigkeit von regulatorischen, emittentenspezifischen oder adoptionsbezogenen Risiken. Eine langsamer als erwartete Skalierung von RWAs oder nachteilige politische Entwicklungen könnten einen der wichtigsten neuen Nachfragetreiber für ETH schwächen.


Ethereums Ausblick für 2026 hängt letztlich von Monetarisierung ab – nicht von Adoption 

Die reale wirtschaftliche Aktivität auf dem Netzwerk - insbesondere Stablecoin-Abwicklung, tokenisiertes Bargeld und institutionelle RWAs - wächst, doch Gebührenkompression, Wertabfluss zu L2s und eine leicht positive Nettoemission erhöhen die Anforderungen, damit Durchsatz in nachhaltige Protokollökonomie übersetzt wird. ETH ist kein reines monetäres Asset mehr, sondern zunehmend ein gehebelter Anspruch auf Ethereums Fähigkeit, Liquiditätsdominanz und institutionelle Relevanz in nachhaltige Cashflows zu überführen.

Eine nachhaltige Neubewertung erfordert sichtbare Fortschritte bei der Wertabschöpfung – sei es durch höhere aggregierte Gebühren, eine bessere Angleichung zwischen L2s und Mainnet oder unterstützende Flussregime durch ETFs und Renditedifferenziale. Ohne diese Faktoren könnte Ethereum weiterhin das Rückgrat des Onchain-Finanzsystems bilden, während das Aufwärtspotenzial für das Asset selbst begrenzt bleibt.

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