Quantencomputing und digitale Assets: Sechs Dinge, die Anleger wissen sollten

Quantencomputing ist heute noch keine existenzielle Bedrohung für digitale Assets – aber das Fenster, sich rechtzeitig vorzubereiten, ist bereits geöffnet, und es wird nicht unbegrenzt offenbleiben. In der ersten Hälfte des Jahres 2026 haben mehrere unabhängige Teams formelle Vorschläge, funktionsfähige Prototypen und technische Durchbrüche vorgelegt, in einem Tempo, das noch vor zwölf Monaten kaum vorstellbar gewesen wäre. Die nötige Reaktion ist längst keine theoretische Angelegenheit mehr.
Um Asset-Managern zu helfen, die praktischen Konsequenzen zu verstehen, haben die 21shares-Researcher Karim AbdelMawla und Eliézer Ndinga unter Einbeziehung von Expertise aus Project Eleven, Castle Island Ventures, Coinbase, Anza/Solana und der Ethereum Foundation den Bericht Quantum computers can't break Bitcoin yet – but the preparation window is shorter than you think veröffentlicht. Nachfolgend sechs Dinge, die jeder Anleger kennen sollte. Alle Details finden sich im vollständigen Bericht.
1. Die Bedrohung gilt dem Eigentumsnachweis, nicht der Blockchain
Quantencomputing gefährdet nicht die Transaktionshistorie der Blockchain – abgeschlossene Datensätze bleiben unverändert. Was bedroht ist, ist der Eigentumsnachweis: der Mechanismus, der sicherstellt, dass ausschliesslich der rechtmässige Inhaber eine Transaktion autorisieren kann – das digitale Äquivalent einer Unterschrift oder PIN. Vergangene Transaktionen würden sich nicht verändern, aber die Kontrolle über Guthaben könnte gefährdet werden, wenn bestimmte Kontodaten öffentlich sichtbar sind. Der Bericht erklärt präzise, wo diese Sichtbarkeit besteht und wo nicht.
2. Heutige Quantencomputer können Bitcoin nicht knacken - aber der Abstand schrumpft
Die Rechenleistung, die benötigt würde, um den Schutz von Bitcoin, Ethereum und Solana zu durchbrechen, ist nach wie vor enorm. Doch neue Forschungsergebnisse von Google – gemeinsam mit der Ethereum Foundation und der Stanford University veröffentlicht – zeigen, dass dieser Aufwand etwa 20-mal geringer ist als bisher angenommen. Eine Maschine mit dieser Kapazität existiert heute nicht. Die Schwelle rückte jedoch näher, nicht weil jemand bessere Hardware gebaut hat, sondern weil Forscher einen effizienteren Ansatz gefunden haben. Genau dieses Muster plötzlicher Sprünge – statt graduellen Fortschritts – macht den Zeitplan so schwer vorhersehbar.
3. Das eigene Risiko ist ein sich verschiebender Termin, kein fixer
Expertenschätzungen, wann ein leistungsfähiger Quantencomputer verfügbar sein könnte, reichen von den frühen 2030er-Jahren bis weit nach 2040. Das Risiko liegt nicht darin, dass ein bestimmtes Datum eintrifft, sondern dass Durchbrüche diese Zeitpläne schneller komprimieren, als das Ökosystem reagieren kann. Googles Forschungsergebnisse vom März 2026 zeigen zudem, dass der Schutz einer Bitcoin-Zahlung theoretisch schnell genug gebrochen werden könnte, um eine Transaktion noch vor deren Abschluss zu manipulieren. Praktische Gegenmassnahmen dafür existieren bereits und könnten lange vor der Hardware-Reife eingesetzt werden – aber nur, wenn die Vorbereitung jetzt beginnt, nicht erst wenn die Bedrohung unmittelbar erscheint. Eine realistische Migration allein für Bitcoin könnte fünf bis sieben Jahre dauern.
4. Risiken konzentrieren sich dort, wo Kapital konzentriert ist und eine Bedrohung ist bereits aktiv
Die grössten Ziele sind nicht einzelne Wallets, sondern Systeme, bei denen eine kleine Zahl kompromittierter Schlüssel grosse Kapitalmengen freisetzen könnte: Brücken zwischen Blockchains, gemeinsame Treasury-Konten und Netzwerkbetreiber. Diese Konzentrationspunkte tragen bereits heute erhebliche Risiken: Allein bei Bridges gingen seit 2022 fast 3 Milliarden US-Dollar verloren – ohne jegliche Quantenbeteiligung. Eine quantenbezogene Bedrohung benötigt keine zukünftige Hardware: Angreifer können heute bereits exponierte Kontodaten kopieren und diese entschlüsseln, sobald die Quantentechnologie reif ist – ein Vorgehen, das die US Federal Reserve als „gegenwärtiges und fortlaufendes" Risiko bezeichnet. Zudem identifizieren Googles Ergebnisse vom März 2026 einen Angriff, bei dem eine einzelne Quantenberechnung eine dauerhafte Schwachstelle in Teilen der Ethereum-Infrastruktur erzeugen könnte – ein Risiko, das Bitcoin offenbar nicht teilt. Die Mitautorenschaft der Ethereum Foundation an dieser Forschung signalisiert, dass die Frage bereits aktiv angegangen wird.
5. Regierungen und Tech-Konzerne bereiten sich vor - die meisten Blockchains holen auf
Die US-Regierung schreibt vor, dass ab Januar 2027 alle neuen Systeme der nationalen Sicherheit quantenresistente Verschlüsselung verwenden müssen. Google setzte sich bereits 2019 eine eigene Migrationsfrist bis 2029. Cloudflare, Apple, Signal, Microsoft und AWS setzen entsprechende Schutzmassnahmen bereits ein. Das Blockchain-Ökosystem hat mit dieser Entwicklung nicht Schritt gehalten: 24 der 26 führenden Protokolle stützen sich nach wie vor vollständig auf Methoden, die andernorts bereits abgelöst werden. Die Ersatztechnologie ist standardisiert, erprobt und verfügbar – es fehlt an Umsetzung, nicht an Erfindung. Dass die Organisationen, die der Bedrohung am nächsten stehen, nun offen zusammenarbeiten, lässt sich jedoch als Zeichen zunehmender Reife der Reaktion werten.
6. Die Netzwerke beginnen sich zu bewegen - das Verständnis des Zeitplans ist entscheidend
Ein Blockchain-Upgrade ist kein App-Update – es gibt kein einzelnes Unternehmen, das einen Fix einspielen könnte. Bitcoin machte im Februar 2026 seinen ersten formellen Schritt mit einem neuen Vorschlag für quantenresistente Adressen. Ethereum verfügt über funktionsfähigen Code und rund zehn unabhängige Teams, die an der Netzwerkmigration arbeiten; einzelne Konten können bereits heute aufgerüstet werden. Solana bietet einen praktikablen Wiederherstellungspfad, sodass kein Nutzer, der rechtzeitig handelt, dauerhaft den Zugang verliert. Fortschritte sind real und messbar.
Frühere Bitcoin-Upgrades zeigen jedoch, dass eine netzwerkweite Verbreitung selbst nach Genehmigung von Vorschlägen Jahre dauert. Netzwerke, die früher handeln, tragen geringere Übergangsrisiken und sind weniger gezwungen, Migrationen unter Druck durchzuführen. Diese Bereitschaftslücke spiegelt sich bislang in den meisten Bewertungsrahmen nicht wider – und könnte damit ein relevanter Due-Diligence-Aspekt für Anleger sein.
Die Quantenbedrohung ist kein plötzlicher Abgrund – sie ist eine mehrjährige, nachvollziehbare Migration. Netzwerke, die früh handeln, tragen das geringste Übergangsrisiko. Zu verstehen, wo diese Bereitschaftslücke heute liegt, ist der Due-Diligence-Vorteil – und genau dafür wurde dieser Bericht verfasst.
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Fussnoten:
- Deloitte Netherlands, "Quantum computers and the Bitcoin blockchain," accessed 2025. https://www.deloitte.com/nl/en/services/consulting-risk/perspectives/quantum-computers-and-the-bitcoin-blockchain.html
- Project Eleven, "Bitcoin RISQ List," accessed 2025. https://www.projecteleven.com/bitcoin-risq-list
- Babbush, R., Zalcman, A., Gidney, C. et al., "Securing Elliptic Curve Cryptocurrencies against Quantum Vulnerabilities: Resource Estimates and Mitigations," Google Quantum AI, Ethereum Foundation & Stanford University, March 2026. https://quantumai.google/static/site-assets/downloads/cryptocurrency-whitepaper.pdf
- Nature Communications, "Quantum error correction breakthrough," accessed 2025. https://www.nature.com/articles/s41467-025-65836-3
- DefiLlama, "Hacks: Total Value Lost," accessed March 2026. https://defillama.com/hacks/total-value-lost
- Federal Reserve Board, FEDS Working Paper 2025-093, accessed 2025. https://www.federalreserve.gov/econres/feds/files/2025093pap.pdf
- NSA, "CNSA 2.0 FAQ," September 2022. https://media.defense.gov/2022/Sep/07/2003071836/-1/-1/0/CSI_CNSA_2.0_FAQ_.PDF
- Google, "Cryptography Migration Timeline," Google Blog, 2019. https://blog.google/innovation-and-ai/technology/safety-security/cryptography-migration-timeline/
- Cloudflare, "Post-Quantum Cryptography 2025," Cloudflare Blog, 2025. https://blog.cloudflare.com/pq-2025/
- Apple, "iMessage PQ3 Security," Apple Support, accessed 2025. https://support.apple.com/en-us/122756
- Signal, "PQXDH Specification," Signal Documentation, accessed 2025. https://signal.org/docs/specifications/pqxdh/
- Microsoft, "Post-Quantum Cryptography APIs Now Generally Available on Microsoft Platforms," Microsoft Security Blog, 2025. https://techcommunity.microsoft.com/blog/microsoft-security-blog/post-quantum-cryptography-apis-now-generally-available-on-microsoft-platforms/4469093
- AWS, "Post-Quantum Cryptography," Amazon Web Services, accessed 2025. https://aws.amazon.com/security/post-quantum-cryptography/
- Cambridge Judge Business School, "Why Quantum Matters Now for Blockchain," 2025. https://www.jbs.cam.ac.uk/2025/why-quantum-matters-now-for-blockchain/
- Bitcoin, "BIP-360," GitHub, accessed 2025. https://github.com/bitcoin/bips/blob/master/bip-0360.mediawiki
- Cointelegraph Magazine, "Nobody knows if quantum secure cryptography will even work," accessed 2026. https://cointelegraph-magazine.com/dirty-secret-quantum-signatures-no-one-knows/
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