Bitcoin hatte seinen schlechtesten Monat seit Jahren. Ist das der Tiefpunkt?

Bitcoin hatte seinen schlechtesten Monat seit Jahren. Ist das der Tiefpunkt?

July 7, 2026
Bitcoin hatte seinen schlechtesten Monat seit Jahren. Ist das der Tiefpunkt?

Zsätzliche Analyse von Matt Mena

Bitcoin beendete den Juni bei rund 60.000 US-Dollar – ein Minus von knapp 19 %. Damit war es nicht nur der schwächste Monat des Jahres, sondern auch der schlechteste seit dem Zusammenbruch von Three Arrows Capital im Jahr 2022. Die langfristige Investmentthese infrage zu stellen, erscheint auf den ersten Blick nachvollziehbar: Ist dies der Beginn einer tieferen Korrektur oder lediglich kurzfristiges Marktrauschen?

Die ehrliche Antwort lautet: Dieser Rückgang ist keineswegs bedeutungslos. Entscheidend ist jedoch weniger das Ausmaß der Bewegung als deren Ursache – und diese war in erster Linie  marktmechanischer Natur.

Was ist im Juni tatsächlich passiert? 

Nach einem Energieschock verschärften die Zentralbanken ihre Geldpolitik deutlich, da die Inflationserwartungen wieder anzogen. Das setzte Risikoanlagen weltweit unter Druck.¹ Der Nasdaq verlor im Juni rund 1,13 Billionen US-Dollar an Marktkapitalisierung, der S&P 500 rund 560 Milliarden US-Dollar. Dass die gesamte Marktkapitalisierung digitaler Vermögenswerte um 380 Milliarden US-Dollar schrumpfte, war Teil dieser breiten Risk-off-Bewegung – und kein isoliertes Ereignis.

Neben den makroökonomischen Faktoren stand Bitcoin jedoch auch unter zusätzlichem Druck. Die US-amerikanischen Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten im Juni mit Abflüssen von mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar einen ihrer schwächsten Monate seit ihrer Einführung.²

Wir sehen den Großteil dieser Entwicklung als marktmechanische Auflösung des sogenannten Basis-Trades. Dabei kaufen Anleger einen Spot-Bitcoin-ETF und verkaufen gleichzeitig Bitcoin-Futures leer, um die Preisdifferenz zwischen beiden Instrumenten zu vereinnahmen. Dieses weit verbreitete Arbitragegeschäft verlor jedoch an Attraktivität, als sich die Differenz im Frühjahr auf rund 2 % verringerte.

Wird eine solche Position aufgelöst, entsteht Verkaufsdruck am Markt – allerdings nicht, weil langfristig orientierte Bitcoin-Investoren das Vertrauen verlieren, sondern weil Arbitrageure ihre Positionen schließen. Diese Unterscheidung ist entscheidend.

Diese Einschätzung wird durch die Daten der CME Group gestützt: Dort reduzierten gehebelte Fonds ihre Short-Positionen von rund 100.000 BTC auf dem Höchststand im Oktober auf etwa 63.000 BTC. Das entspricht einer Auflösung von Positionen im Wert von rund 2,3 Milliarden US-Dollar, während der Bitcoin-Kurs gleichzeitig fiel.³ Die Schließung einer Arbitragestrategie ist etwas grundlegend anderes als ein Vertrauensverlust langfristiger Investoren.⁴

Auch die Finanzierungsmaschinerie von Strategy geriet ins Stocken. Der kontinuierliche Bitcoin-Aufbau des Unternehmens basierte maßgeblich auf STRC, einer Vorzugsaktie, die darauf ausgelegt ist, nahe ihrem Nennwert von 100 US-Dollar zu handeln. Bis Ende Juni war ihr Kurs jedoch auf rund 87 US-Dollar gefallen – ein Rekordabschlag von 13 % auf den Nennwert –, wodurch dieser Finanzierungskanal faktisch versiegte.⁵

Die finanziellen Verpflichtungen bestehen jedoch weiter: Ausstehende Verbindlichkeiten von rund 17,5 Milliarden US-Dollar standen Barreserven gegenüber, die von 2,25 Milliarden US-Dollar im Februar auf 1,4 Milliarden US-Dollar im Juni zurückgingen. Da Bitcoin rund 17 % unter den durchschnittlichen Anschaffungskosten von 75.651 US-Dollar notierte und sich die Aktie von Strategy zunehmend dem inneren Wert ihrer Bitcoin-Bestände annäherte, wurde die Ausgabe neuer Aktien immer schwieriger zu rechtfertigen. Entsprechend begann der Markt einzupreisen, dass auch Bitcoin-Verkäufe zu einer möglichen Finanzierungsquelle werden könnten.

Warum ein starker Kursrückgang die langfristige Investmentthese nicht infrage stellt 

Bitcoin und Ethereum stehen zwar meist im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, doch das breitere Bild der Onchain-Aktivitäten zeichnete im Juni eine andere Entwicklung. So entfielen über 90 % des Handelsvolumens tokenisierter Aktien auf Solana. Mit einem Handelsvolumen von mehr als 1 Milliarde US-Dollar zeigt sich, dass Innovation und Nutzung des Netzwerks trotz der Kursschwäche unvermindert weitergingen.

Auch große Marktteilnehmer nutzten den Rückgang zum Kauf. Ein Marktindikator, der misst, ob große Investoren netto kaufen oder verkaufen, stieg von nahezu 0 auf einen Bereich zwischen 0,85 und 1,0, während Bitcoin zwischen 60.000 und 64.000 US-Dollar notierte. Gleichzeitig fiel der Anteil der Anleger, die mit ihren Bitcoin-Beständen im Gewinn lagen, auf unter 50 %.

Diese Kombination ist bemerkenswert: Das letzte Mal, dass beide Indikatoren gleichzeitig dieses Muster zeigten – während des COVID-19 market crash im März 2020 sowie nach dem Zusammenbruch von FTX im vierten Quartal 2022 –, befand sich der Markt am oder sehr nahe an einem zyklischen Tiefpunkt. Rückblickend erwiesen sich beide Phasen als attraktive Einstiegsgelegenheiten.⁶

Was uns die Geschichte über Kursrückgänge wie diesen lehrt

Dieser Rückgang hat Bitcoin auf etwa 50 % unter sein letztes Hoch fallen lassen. Das klingt zunächst drastisch, relativiert sich jedoch im historischen Vergleich: In früheren Marktzyklen waren Rückgänge vom Höchst- zum Tiefststand von 75 % bis 85 % eher die Regel, bevor sich der Markt jeweils wieder erholte. Ein Rückgang von 50 % liegt somit klar innerhalb der historischen Schwankungsbreite von Bitcoin – auch wenn sich das während einer laufenden Korrektur oft anders anfühlt.

Auch aus Zyklussicht bleibt das Bild konstruktiv. Rund acht Monate nach dem Hoch im Oktober nähert sich Bitcoin dem Zeitraum von 11 bis 13 Monaten, in dem der Markt in früheren Zyklen häufig seinen Tiefpunkt erreicht hat. In Kombination mit den zuvor beschriebenen Akkumulationssignalen großer Marktteilnehmer ergibt sich ein Muster, das den Tiefpunkten vergangener Zyklen zunehmend ähnelt. Der übergeordnete Marktzyklus bleibt damit intakt.

Worauf Anleger jetzt achten sollten

Drei Faktoren dürften in den kommenden Wochen aussagekräftiger sein als kurzfristige Kursbewegungen.

Erstens: die Veröffentlichung der Inflationsdaten Ende Juli. Eine schwächere Inflation – insbesondere bei den Energiepreisen – würde die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die US-Notenbank ihre Geldpolitik im weiteren Jahresverlauf lockern kann. Das wäre ein positiver Faktor für Risikoanlagen.⁷

Zweitens: Kann Bitcoin den Bereich zwischen 59.000 und 62.000 US-Dollar verteidigen? In dieser Zone treffen der 200-Wochen-Durchschnitt und ein historisch bedeutender Kaufbereich aufeinander. Ein Wochenschlusskurs unterhalb dieser Spanne wäre ein deutlich negativeres technisches Signal.

Drittens: die US-Zwischenwahlen im November. Seit Mitte 2025 weist Bitcoin eine inverse Korrelation von -0,79 zu den auf Polymarket gehandelten Wahrscheinlichkeiten für einen totalen Wahlsieg der Demokraten ("Democratic sweep") auf. Während diese Wahrscheinlichkeit von rund 21 % auf einen Höchststand von etwa 52 % im April 2026 anstieg, fiel der Bitcoin-Kurs von rund 120.000 US-Dollar auf etwa 60.000 US-Dollar. Umgekehrt fiel der kurzfristige Anstieg der republikanischen Siegchancen im Oktober 2025 mit dem damaligen Zyklushoch von rund 126.000 US-Dollar zusammen.⁸

Derzeit liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Sweep bei rund 42 %, während die Chancen auf einen republikanischen Wahlsieg bei etwa 18 % liegen. Die Entwicklung dieser Erwartungen dürfte daher in den kommenden Monaten ein wichtiger Indikator für die Stimmung an den Kryptomärkten bleiben.

Eine nachhaltige Verschiebung zugunsten eines republikanischen Wahlausgangs dürfte als positives Signal für den Kryptomarkt gewertet werden. Umgekehrt würden steigende Erwartungen eines demokratischen Wahlsiegs den aktuellen Widerstand für den Bitcoin-Kurs eher untermauern. Entsprechend lohnt es sich, diese Entwicklung im dritten Quartal aufmerksam zu verfolgen, wenn sich die Marktpositionierung für die Wahlen weiter konkretisiert.

Über allen drei genannten Faktoren steht jedoch derzeit Strategy. Am 29. Juni genehmigte das Unternehmen den möglichen Verkauf von bis zu 1,25 Milliarden US-Dollar an Bitcoin, um seine Liquiditätsreserven zu stärken. Es ist das erste Mal, dass Strategy offiziell den Verkauf von Bitcoin genehmigt hat – und nicht deren weiteren Erwerb.⁹

Entscheidend bleibt dabei die durchschnittliche Einstandskostenbasis von 75.651 US-Dollar je Bitcoin. Oberhalb dieses Niveaus kann sich Strategy vergleichsweise effizient über die Ausgabe neuer Aktien finanzieren. Unterhalb dieser Marke werden direkte Bitcoin-Verkäufe zunehmend zur naheliegenderen Option – wobei sich dieser Effekt mit weiter fallenden Kursen verstärkt. So wären bei einem Bitcoin-Preis von 75.000 US-Dollar rund 16.700 BTC erforderlich, um Dividendenverpflichtungen für ein Jahr zu decken; bei einem Kurs von 50.000 US-Dollar wären es bereits nahezu 25.000 BTC.
Ob aus der Genehmigung tatsächlich Verkäufe werden, dürfte sich vor allem an zwei Faktoren ablesen lassen:der Höhe der ausgewiesenen Liquiditätsreserven im nächsten Quartalsbericht von Strategy sowie einem Wochenschlusskurs von Bitcoin oberhalb von 59.000 US-Dollar.

Bullen- und Bären-Szenarien

  • Bullisches Szenario: Nachhaltige geopolitische Entspannung und eine Kehrtwende der US-Notenbank
    Eine nachhaltige Entspannung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran würde der US-Notenbank mehr Spielraum geben, im zweiten Halbjahr 2026 mit Zinssenkungen zu beginnen. Das könnte Bitcoin den Weg zurück über 66.000 US-Dollar ebnen und weiteres Aufwärtspotenzial in Richtung 70.000 bis 75.000 US-Dollar eröffnen. Rückenwind könnte dabei auch von der Saisonalität kommen: Seit 2013 erzielte Bitcoin in den Monaten Juli und August durchschnittliche Renditen von 4,36 %.¹⁰

  • Bärisches Szenario: Eskalation im Nahen Osten und eine weiterhin restriktive US-Notenbank
    Sollten die Spannungen mit dem Iran erneut eskalieren und dadurch der Inflationsdruck anhalten, könnte eine weiterhin restriktive Haltung der US-Notenbank auf ihrer Sitzung Ende Juli die Finanzmärkte zusätzlich belasten. In diesem Szenario könnte Bitcoin den Bereich zwischen 50.000 und 55.000 US-Dollar erneut testen – ein Niveau, das zuletzt vor der US-Wahl im Oktober 2024 erreicht wurde und zugleich in der Nähe des sogenannten Realized Price liegt.
    Frühere Bitcoin-Zyklen waren häufig von Rückgängen zwischen 75 % und 85 %v om Hoch zum Tief geprägt. Überträgt man diese historischen Muster auf den aktuellen Zyklus, ergäbe sich im Extremfall ein mögliches Tief im Bereich von 35.000 bis 45.000 US-Dollar, falls die Unterstützung bei 50.000 US-Dollar nicht halten sollte.

Die langfristige Investmentthese für digitale Vermögenswerte bleibt intakt. Vielmehr haben sich die fundamentalen Rahmenbedingungen trotz der jüngsten Korrektur in mehreren Bereichen sogar verbessert. Die jüngste Marktphase erinnert jedoch daran, dass ein diszipliniertes Positionsmanagement gerade in volatilen Marktphasen wie im Juni wichtiger ist als in Zeiten, in denen die Kurse scheinbar nur eine Richtung kennen. 

______

Fußnoten: 

  1. Federal Reserve. "FOMC Statement." June 17, 2026. https://www.federalreserve.gov/newsevents/pressreleases/monetary20260617a.htm
  2. Glassnode, "Bitcoin US Spot ETF Net Flows Chart," Glassnode Studio, accessed June 25, 2026. https://studio.glassnode.com/charts/institutions.UsSpotEtfFlowsNet?a=BTC
  3. U.S. Commodity Futures Trading Commission. "Commitments of Traders, Traders in Financial Futures — CME Bitcoin." June 16, 2026. https://publicreporting.cftc.gov/dataset/Traders-in-Financial-Futures-Futures-Only/gpe5-46if
  4. Parshwa Turakhiya, "Bitcoin Bears Say BTC Is Repeating the 2022 Pattern—K33 Research Says They're Dead Wrong," Benzinga, May 20, 2026. https://www.benzinga.com/crypto/cryptocurrency/26/05/52690283/bitcoin-bears-say-btc-is-repeating-the-2022-pattern
  5. Strategy Inc., Form 8-K, U.S. Securities and Exchange Commission, June 22, 2026. https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1050446/000119312526276717/mstr-20260504.htm
  6. Glassnode, "Bitcoin Overview Dashboard," Glassnode Studio, accessed June 25, 2026. https://studio.glassnode.com/dashboards/asset-overview?a=BTC
  7. CME Group. "FedWatch Tool." Retrieved June 25, 2026. https://www.cmegroup.com/markets/interest-rates/cme-fedwatch-tool.html
  8. Polymarket, "2026 Balance of Power: D Senate, D House," accessed June 25, 2026. https://polymarket.com/event/balance-of-power-2026-midterms/2026-balance-of-power-d-senate-d-house-949
  9. Strategy Inc., "Strategy Provides Capital Structure Update after Completing $1.5 Billion Debt Repurchase," Form 8-K (Exhibit 99.1), U.S. Securities and Exchange Commission, May 26, 2026. https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/0001050446/000119312526237907/mstr-ex99_1.htm
  10. CoinGlass, "Bitcoin Returns History," accessed June 25, 2026. https://www.coinglass.com/today

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